“Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg” – unsere Produzenten während der Krise

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Wir haben mit fünf unserer Produzenten gesprochen, um einen besseren Einblick zu erhalten, was diese Zeit für kleine Unternehmen bedeutet. Einige der Antworten überraschen den ein oder anderen möglicherweise – aber eines ist sicher, jeder einzelne von ihnen (und auch alle anderen) lässt angesichts dieser Situation noch lange nicht den Kopf hängen. Sicher, wir alle durchleben eine schwierige Zeit, aber wir sollten diese Zeit möglichst sinnvoll nutzen, und bereits jetzt an die Zeit nach der Krise denken.

La Ferme des 3 Epis – Aigle

La Ferme des Trois Epis ist kein gewöhnlicher Bauernhof. Er ist in erster Linie eine Qualitäts- und Ethikgarantie und legt großen Wert darauf, so umweltfreundlich wie möglich zu sein. Ihre Hühner gedeihen in Freilandhaltung und mit hausgemachten Futtermitteln. Darüber hinaus erlaubt ihnen ihr PEP (Proof of Ecological Performance)-Haltungssystem, dies noch weiter voranzutreiben, indem es Agrarökologie und Agroforstwirtschaft miteinander verbindet, was wiederum die Präsenz von kleinen Helfern (wie Pilzen, Regenwürmern, Bienen, Fledermäusen…) fördert, die den Boden und die Kulturen schützen.

Und was wäre ein umweltfreundlicher landwirtschaftlicher Betrieb, wenn nicht auch im Bereich der Elektrizität etwas unternommen würde? Tatsächlich verfügen sie über 1300 Quadratmeter Sonnenkollektoren, mit denen sie nicht nur erneuerbare elektrische Energie produzieren können, sondern genug, um ihren gesamten Bedarf in dieser Hinsicht zu decken. Und zu guter Letzt durchläuft jedes Ei jeden Tag eine Qualitätskontrolle, bevor es verpackt und mit Hilfe von Elektroautos ausgeliefert wird.

All dies ist fantastisch und qualifiziert definitiv dafür, ein Qualitätsproduzent auf farmy.ch zu sein, aber wie wirkt sich die aktuelle Situation auf La Ferme des Trois Epis aus?

Glücklicherweise sind einige Branchen von der aktuellen Situation weniger betroffen als andere. Tatsächlich ändert diese Situation das Verhalten der Tiere nicht und das Leben geht für sie wie gewohnt weiter. La Ferme des Trois Epis kümmert sich weiterhin um ihre Ernten, schließlich lassen sich die Pflanzen nicht am Wachsen hindern. Man muss unabhängig von der Krise mit ihr gehen. Ausserdem beliferm sie weiterhin die Geschäfte, aber sie haben vorerst einzelne Lieferungen komplett eingestellt. Dies natürlich, um den Sicherheits- und Hygienemassnahmen zu folgen, die von der Schweizer Regierung eingeführt wurden. Einige Kunden gehen zu ihnen, um Eier und andere Produkte (Honig, Früchte, Nüsse…) zu kaufen, aber sie stellen nicht die Mehrheit dar. Um ihre treuen Kunden trotz dieser ungewöhnlichen Situation weiterhin beliefern zu können, verlässt sich La Ferme des Trois Epis daher auf Dritte wie Farmy.

Käsers Schloss – Elfingen

Der Name ist irreführend: Im Käsers Schloss werden keine Milchprodukte hergestellt, wohl aber Spirituosen. Und das auf höchstem Niveau. Denn die preisgekrönten Destillate, zu denen auch der Whisky Castle zählt, gehören zu den besten in Europa – und zu den kreativsten weltweit. Seit fünf Generationen lebt die Familie in Elfingen und destilliert fast alles, vom Knoblauch bis zur Birne, mit einem hohen Standard! Weil die Qualität der Ernte die Grundlage für eine gute Spirituose bildet, verwenden die Brüder Käser nur Qualitätsprodukte, am liebsten vom eigenen Hof.

Wie bei vielen Betrieben, die eher weniger lebensnotwendige Güter herstellen, hat auch die Brennerei einen starken Rückgang des Absatzes und damit der Produktion zu verzeichnen. Vor allem hat die Familie keine andere Wahl, als ihre Marketinganstrengungen auf andere Möglichkeiten zu verlagern. Seit 1952 gingen sie auf den Markt von Aarau, besuchten ihre Kunden und tauschten sich mit ihnen aus, was derzeit leider nicht möglich ist. Sie konzentrieren sich jetzt mehr auf Online-Inhalte wie Facebook und Instagram, was mit Ausprobieren verbunden ist, da es für sie eine neue Sache ist. Darüber hinaus versuchen sie, so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf ihren Online-Shop sowie auf ihren physischen Laden im Viadukt zu lenken, der immer noch geöffnet ist.

Trotz alledem bemüht sich die Familie Käser, das Positive daran zu finden: “Wir versuchen nun, die Zeit zu nutzen und an neuen Produkten zu arbeiten, die wir anbieten können, wenn das Ganze vorbei ist”, und fügt hinzu: “Es ist eine wichtige Erfahrung für uns alle, die wir es gewohnt sind, jederzeit alles kaufen zu können”. In der Tat zeigt diese Situation, dass nicht immer alles planbar ist, aber es ist wichtig, reagieren zu können und dankbar zu sein für all die Arbeit im Vorfeld, was diese Situation etwas weniger schwierig macht, als sie hätte sein können.

Christian Boillat – Lausanne

Mit 6 Geschäften und Teestuben ist Christian Boillat der perfekte Ort, um Zeit mit den Liebsten zu verbringen. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung werden die Produkte von Christian Boillat mit Sicherheit auch die wählerischsten unter euch zufrieden stellen. Sein breites Sortiment reicht von handgemachtem Gebäck und süßen Leckereien, Eis, Trüffeln, Schokoladentafeln bis hin zur Bäckerei mit allen erdenklichen Möglichkeiten für das Frühstück. Diejenigen unter euch, die pikante Leckereien bevorzugen, sind hier genau richtig! Denn die Mittagsauswahl besteht aus einer Vielzahl an Salaten, Suppen und Sandwiches.

Leider erlauben es die gegenwärtige Situation und die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen nicht, dass die Teestuben geöffnet bleiben. Doch auch wenn es jetzt gerade erst losgeht, sind ihre Geschäfte noch immer geöffnet und halten den Sicherheitsabstand ein. Wer die Köstlichkeiten lieber von zuhause aus geniessen möchte, der kann sie online bestellen – zum Beispiel via Farmy.ch

Nichtsdestotrotz hat diese Krise immer noch Auswirkungen auf die Produktion. Tatsächlich ist jegliche Produktion im Zusammenhang mit Geschäftsessen oder Veranstaltungen vollständig eingestellt worden. Ebenso wie die Versorgung der Restaurants. Die Gesamtproduktion hat sich stark in Richtung Bäckerei verlagert, und zwar auf Kosten aller süßen Leckereien und Desserts, wobei letztere nicht essentielle Güter sind. Dennoch möchte Christian Boillat auch weiterhin (direkt oder indirekt) seine Kunden mit einem möglichst breiten Produktsortiment beliefern.

Dörig & Brandl – Schlieren

Die Fischspezialisten arbeiten seit über vierzig Jahren mit hochwertigen Meeresprodukten. Um die gleichbleibend hohe Qualität zu garantieren, besuchen die Mitarbeiter des Fischhändlers mit Sitz in Schlieren die lokalen Partner, definieren die Qualitätsstandards und sorgen dank Direktimport für eine lückenlose Kühlkette. Eigenverantwortung, regelmässige Analysen und Kontrollmassnahmen gehören ebenso dazu wie der persönliche Kontakt zu Fischern, Züchtern und Produktionsbetrieben.

Diese Krise verschont nichts und niemanden. Aufgrund des fehlenden Absatzes musste Dörig & Brandl leider Kurzarbeit anmelden und den Betrieb mit weniger Personal weiterführen. Das Betriebsteam setzt jedoch alles daran, die kontinuierliche Versorgung in dieser ungewöhnlichen Zeit sicherzustellen. “Unser oberstes Ziel ist der Schutz unserer Mitarbeiter, aber auch die Sicherheit unserer Kunden”. Das Unternehmen ist sich bewusst, dass sie nicht die Einzigen sind, die sich in Schwierigkeiten befinden, und möchte ihre Position als Lieferanten von lebensnotwendigen Gütern lieber nutzen, um die Gemeinschaft, seien es Kundinnen und Kunden, Krankenhäuser, Armee, Polizei, Kantinen… mit frischem Fisch zu versorgen.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist es umso wichtiger, ihrem Fachwissen und ihrem Beruf treu zu bleiben. “Wir unterstützen unsere Kunden weiterhin mit unserer Produktkenntnis und pflegen eine enge und freundschaftliche Partnerschaft mit unseren langjährigen Lieferanten, die es uns ermöglicht, kontinuierlich frischen Fisch zu importieren”. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden in der Tat groß sein, und Dörig & Brandl hofft, dass die Unterstützung der Regierung ihnen helfen wird, einen Teil der Einnahmeverluste abzufedern. Trotzdem versuchen sie, die Gesamtsituation positiv zu beurteilen: “Leider sind die langfristigen Folgen schwer vorhersehbar. Aber wir bleiben auch in dieser Zeit optimistisch: Die Krise wird die operative Struktur weiter stärken. Dennoch werden wir sehr froh sein, wenn die Krise vorbei ist und die Arbeit normal weitergeführt werden kann”.

Jucker Farm – Seegräben

Dass ein guter Landwirt auch ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, beweist die preisgekrönte Jucker Farm, die den Brüdern Beat und Martin Jucker gehört. Auf ihren schönen Höfen in Seegräben, Jona und Rafz wachsen die besten Äpfel und Beeren sowie weitere regionale Produkte. Und vom Spargelhof in Rafz aus beliefern sie die Schweiz mit ihren zarten Spargeln und Kürbissen. Weil die Juckers ihre Leidenschaft für den Anbau gerne mit anderen teilen, haben sie ihren Hof in einen Erlebnisbauernhof verwandelt: damit jeder kommen und frische, natürliche und sogar handverlesene Lebensmittel probieren kann.

Vor dem Shutdown beschloss die Jucker Farm bereits, den Gastronomiebetrieb zu schliessen, da sie bereits mit der Zwangsschliessung rechneten. Die Zeit nutzten sie, um ihre Veranstaltungsräume in erweiterte Hofläden umzuwandeln. Leider können trotz des Verkaufsbooms in den Hofläden die Umsätze aus den Veranstaltungen kaum ersetzt werden, was einen täglichen Geldverlust bedeutet… Das ist nicht das einzige Problem, mit dem der Hof derzeit konfrontiert ist. Die Erntesaison hat gerade erst begonnen, und es besteht die Möglichkeit, dass viele ausländische Saisonarbeiter nicht kommen und helfen können, wie sie es normalerweise tun würden. Um dem entgegenzuwirken, haben die Brüder Jucker mit Coople eine Plattform eingerichtet, um genügend Helfer zu finden.

Darüber hinaus haben sie ein TakeAway-Konzept eingerichtet. Angesichts des Überangebots an Lebensmitteln, die ursprünglich für Catering und Veranstaltungen gedacht waren, ermöglicht dieses Konzept in erster Linie, die Verschwendung von Lebensmitteln zu minimieren und Alternativen für Menschen anzubieten, die plötzlich jeden Tag für die ganze Familie kochen müssen. Sie versuchen ihr Bestes, um so viele Verkaufskanäle wie möglich zu schaffen, um ihre Kunden weiterhin beliefern zu können, weshalb sie auch einen improvisierten Pop-up-Store eingerichtet haben. Nicht zuletzt sei es für sie erfreulich zu sehen, dass auch der Online-Markt boomt. “Wir hoffen, dass die Menschen auch nach der Krise vermehrt direkt bei uns Landwirten einkaufen werden! Das könnte sich langfristig als eine Chance für den Direktverkauf erweisen. Und natürlich hoffen wir, dass die Menschen nach der Krise wieder in unser Restaurant kommen, so viel wie möglich brunchen, heiraten, Veranstaltungen feiern und einfach wieder die Natur in unseren schönen Höfen genießen! Es tut weh, die Höfe so leer zu sehen…”

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